Vom Erdöl zur PET-Flasche

Professor Ottmar Edenhofer, Chefökonom des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung (PIK), erklärte vor der Klimakonferenz in Doha/Quatar: „Der Höhepunkt der Ölförderung ist nicht in Sicht. Kohlenstoffe sind der Energieträger für das 21. Jahrhundert schlechthin. Es wäre schön, wären die knapp, dann  zwängen uns die Marktkräfte auf den Pfad der Tugend.“ Es ist also nicht die Knappheit, sondern es sind umwelt- und klimapolitische Gründe, die für einen sparsamen und behutsamen Umgang mit der Naturressource Erdöl sprechen.

Die weltweite Rohölförderung liegt bei fast 4.000 Millionen Tonnen im Jahr. Davon gehen etwa 4 Prozent des gesamten europäischen Ölverbrauchs in die Kunststoffproduktion, wobei die  Kunststoffindustrie jedes Jahr weltweit etwa 40 Millionen Tonnen PET herstellt. Das heißt, etwa 1 Prozent des europäischen Ölverbrauchs wird in PET umgewandelt. Der große Rest wird mehr oder weniger sinnvoll in Form von Heizöl oder Kraftstoff für Pkws und Lkws verbrannt. Versuche, unsere Abhängigkeit vom endlichen Rohstoff Erdöl zu verringern, müssen dort zu allererst ansetzen, aber auch der Einsatz für Verpackungen ist nicht unkritisch zu sehen. 

PET-Hersteller und Anwender sehen Ressourceneffizienz bei PET – vor allem bei Mehrwegflaschen 

PET wird bei vergleichsweise niedrigen Temperaturen um 250 Grad Celsius hergestellt und verarbeitet. Der fertige Kunststoff enthält keine Weichmacher und ist selbst völlig ungiftig, bruchsicher und  formbeständig. Allerdings können darin nach der Synthese winzige Spuren des Katalysators Antimon(III)-oxid zurückbleiben, das möglicherweise krebserregend ist. Außerdem entsteht bei der Herstellung von PET-Flaschen etwas Acetaldehyd, der saure Getränke geschmacklich beeinträchtigen kann. Ein weiterer Nachteil von PET ist seine Hitzeempfindlichkeit. Mehrwegflaschen aus PET müssen daher kalt mithilfe des Desinfektionsmittels Dimethyldicarbonat (DMDC) gereinigt werden. Rückstände der Abbauprodukte von DMDC können krebserregend sein.

PET ist nicht nur bruchsicher, es hat als Verpackungsmaterial auch ein vergleichsweise geringes Gewicht. Die Mehrweg-Pfandflasche der Genossenschaft Deutscher Brunnen aus PET wiegt 62 Gramm und fasst einen Liter. Die Mehrweg-Pfandflasche aus Glas wiegt hingegen 600 Gramm und fasst nur 0,7 Liter. Beim Transport über größere Entfernungen fiel deshalb die Ökobilanz des Heidelberger IFEU-Instituts von Oktober 2008 eindeutig zugunsten der PET-Mehrwegflasche aus. 

PET-Einwegflaschen mit schlechter CO2-Bilanz

Einwegflaschen aus PET hingegen landeten trotz ihres noch geringeren Gewichts zwischen 12 und 35 Gramm (je nach Flaschengröße) weit abgeschlagen auf dem letzten Platz. Ausschlaggebend dafür ist die schlechte CO2-Bilanz der PET-Einwegflasche. Konkret: Bei Herstellung und Vertrieb von 1.000 Litern Getränken in Glas-Mehrwegflaschen entstehen 84 Kilogramm CO2, in PET-Mehrwegflaschen nur 69 Kilogramm CO2. Beim Einsatz von PET-Einwegflaschen entsteht jedoch wesentlich mehr CO2, nämlich 139 Kilo für eine 1,5-Liter Flasche. Bei der Verwendung kleinerer PET-Gebinde wäre die Klimabelastung sogar noch höher. Dabei wurde berücksichtigt, dass Mehrwegflaschen im Schnitt nur über 259 Kilometer hin und zurück transportiert werden, während PET-Einwegflaschen eine Strecke von 482 Kilometern zurücklegen. Eine Hochrechnung ergibt: Bei konsequenter Nutzung von Mehrwegflaschen für alle alkoholfreien Getränke könnten in Deutschland jedes Jahr 1,25 Millionen Tonnen CO2 eingespart werden. Zum Vergleich: PKWs  verursachen in Deutschland jährlich rund 100 Millionen Tonnen CO2-Ausstoß. PET ist im Prinzip stofflich gut wieder verwertbar. Ausgediente PET-Flaschen gelten als wertvoller Werkstoff, der fürs Verbrennen zu schade ist. Daher hat sich auch ein international dynamischer Markt für gebrauchte PET-Flaschen entwickelt, der sich auch für den deutschen Lebensmitteleinzelhandel als lukrativ erwiesen hat. PET-Flaschen können in fein zerhackter Form mithilfe der Hochgeschwindigkeits-Laserspektroskopie automatisch nach Farben getrennt und dann wieder für die Herstellung neuer Getränkeflaschen verwendet werden. Das ist allerdings finanziell und energetisch aufwändig und hat sich noch nicht auf breiter Front durchgesetzt. Das PET-System ist ein offenes und kein geschlossenes System. Dabei werden etwa aus einem Viertel der gesammelten Flaschen wieder neue Flaschen produziert. Auch werden die neuen Flaschen bei Weitem nicht zu 100 Prozent aus Recycling-PET hergestellt. Teilweise liegt der Anteil von Altmaterial unter 20 Prozent. Aus rund der Hälfte der eingesammelten Flaschen werden Folien und Fasern hergestellt – Materialien die weniger hochwertig sind als für Flaschen. Rund ein Fünftel der gesammelten Flaschen geht ins Ausland und der Rest der Kunststoffabfälle wird verbrannt. Die Klimabilanz dieser neuen Produkte liegt nicht vor, aber auch bei diesen Herstellungsprozessen entsteht Energie- und Transportaufwand, der den CO2-Fußabdruck von PET- Einweg nicht verbessern dürfte. Fazit: Wer etwas für den Klimaschutz tun will, zeigt PET-Einweg die rote Karte.

(Stand 2013)

Erdöl ist der Rohstoff für die Synthese des Verpackungswerkstoffs Polyethylenterephthalat (PET) durch Polykondensation der Monomere Terephthalsäure und Ethylenglycol. Das so entstehende thermoplastische Polymer, das unter den Bezeichnungen Polyester oder Kunstseide zunächst  hauptsächlich für die Herstellung von Folien und modernen Textilien (Handelsnamen Trevira oder Diolen) verwendet wurde, ist in den letzten Jahrzehnten wegen seiner Haltbarkeit und seines geringen Gewichts zum wichtigsten Konkurrenten von Glas als Werkstoff für Getränkeverpackungen geworden.

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